„Mit der Digitalisierung werden viele Veränderungen auf uns zukommen“

Der 24. Europäische Verwaltungskongress in Bremen stand ganz im Zeichen von „Vernetzt denken, vernetzt handeln: Erfolgreiche Verwaltungen im Digitalen Zeitalter“. Auf der Veranstaltung wurden aktuelle Trends rund um das Verwaltungsmanagement diskutiert. Im Interview verraten uns Thomas Lennartz (DA+) und Jonas Stawitzke (DA+), was sie auf der Veranstaltung erlebt haben.

Firat Coskun: Was habt ihr auf der Veranstaltung erlebt?

Thomas Lennartz: Es waren zwei sehr spannende Tage. Es gab einen besonders guten Vortrag: „Erfolgreiche Vernetzung beginnt beim Bürger“ von Lone Skak-Nørskov, Botschaftsrätin für Digitalisierung der Königlich Dänischen Botschaft. Ich liebe solche Best-Practice-Darstellungen, weil man viel lernen kann. Dänemark hat, um Digitalisierung erfolgreich umzusetzen, die starke Zergliederung ihrer Gemeinde – ich meine von mehreren Tausend auf wenige Hundert – reduziert, um Dinge erfolgreicher angehen zu können. Außerdem wurden mehrere Bürgerdienstleistungen, besonders an vielbesuchten Orten wie z.B. Bibliotheken, bürgernäher präsentiert. Dafür wurden viele Prozesse digitalisiert und Self-Service Terminals eingerichtet. Das Personal fällt dabei nicht weg, sondern unterstützt die Bürger bei der Anwendung. Ein roter Faden ist mir zwischen den Foren „Personal“, „Strategie und Steuerung“ und „E-Government“ aufgefallen: Menschen haben Angst vor den Themen, die die Digitalisierung mit sich bringen. Sie haben kein klares Bild davon, was auf sie zukommt. Sie fühlen sich überfordert.

Jonas Stawitzke: Es wurde vieles erzählt, was wir bereits wissen. Es gab aber einzelne, sehr interessante Inputs. Dabei ist mir z.B. „Der Chief Digital Officer (CDO): Die Spinne im Netz der Digitalisierung“ von Christian Geiger, CDO der Stadt St. Gallen, im Gedächtnis geblieben. Er hat den Zuhörerinnen und Zuhörern einzelne Projekte der Stadt vorgestellt. Unter anderem war auch Künstliche Intelligenz (KI) in fast allen Vorträgen sehr präsent.

Titelfoto Europäischer Verwaltungskongress (EVK) 2019
Wandtafel mit Meinungsbefragung zu Roboter & KI

Coskun: Welche Foren habt ihr besucht?

Stawitzke: Ich selbst habe mich vor allem im Hauptsaal aufgehalten, im Haus der Bürgerschaft. Da ging es hauptsächlich um das Thema E-Government.

Lennartz: Wir waren aber in diversen Foren unterwegs. Spannend fand ich den Vortrag „Vernetzte Verwaltung im digitalen Wandel: Organisationsentwicklung als Perspektive“ von Prof. Dr. Peter Daiser im Forum „Strategie und Steuerung“. Ich liebe Vorträge, die mit Bildern arbeiten, die keine großartig vollgeschriebenen PowerPoint-Folien präsentieren, sondern klare Bildbotschaften. Prof. Dr. Daiser hat das Thema Fortschritt angesprochen. Digitalisierung ist seiner Auffassung nach nichts anderes als eine neue Ausprägung des Fortschritts der Entwicklung der Menschheit. Er hat uns Besuchern ein Bild einer erhobenen Steinaxt vor einem blauen Himmel gezeigt. Die Botschaft dahinter war ebenso einfach wie deutlich: Hast du Werkzeuge, bist du erfolgreicher.

Coskun: Was war euer Highlight der Veranstaltung?

Stawitzke: Es gab mehrere Highlights. Einmal gab es den Vortrag der dänischen Botschaftsrätin für Digitalisierung, von der Thomas vorhin gesprochen hat. Der Vortrag war sehr informativ und sie hat sehr detailliert vorgestellt, wie eine digitale Verwaltung aussehen kann. Sie hat aber auch nicht verheimlicht, dass es in Dänemark auf diesem Weg einige Hürden gab. Wir haben außerdem zahlreiche neue Kontakte knüpfen können. Am Abend gab es ein schönes, gemeinsames Buffet im Ratskeller. Dort konnten wir die neu geknüpften Kontakte bei einem Glas Wein und gutem Essen vertiefen.

Lennartz: Mein Highlight war der eben beschriebene Vortrag von Prof. Dr. Daiser. Das war inhaltlich und fachlich der interessanteste Beitrag, den ich mitbekommen habe. Ein weiteres Highlight war für mich auch das Abendessen. Nicht nur wegen der hervorragenden Speisen, sondern auch wegen der netten Gesellschaft und der interessanten Gespräche. In der Verwaltung hat sich einiges verändert, aber im Großen und Ganzen nicht die Grundarbeitsweise. In der Verwaltung gibt es viele veränderungsbereite Menschen, die sich auf die spannenden Zukunftsthemen freuen und die bereit sind, auch für ihre Kollegen Mitverantwortung zu übernehmen.

Coskun: Was zieht ihr für ein Fazit aus der Veranstaltung?

Stawitzke: Auf jeden Fall wieder hin!

Lennartz: Es gibt viel zu tun! Mit der Digitalisierung werden viele Veränderungen auf uns zukommen. Es ist sehr wichtig sich zu überlegen, mit wem man da eng zusammenarbeiten möchte. Einer der für mich wichtigsten Faktoren mit Blick auf unser Thema Beratung in Organisations- und Digitalisierungsfragen ist die grundsätzliche Frage: Ist ein auf die Verwaltung gerichtetes Angebot darauf aus, zu enablen (befähigen) oder disablen (lähmen)? Denn nur Angebote, die auf Enablement ausgerichtet sind, bringen nachhaltigen Nutzen, ermöglichen der Verwaltung, mit ihren eigenen Mitarbeitern selbst ihren Weg zu finden. Angebote, die zwar kurzfristige Erkenntnisse bringen, bei denen aber die Befähigung kein Teil des Konzepts ist, können letztlich nur Strohfeuer entfachen. Letzten Endes wird es Sache der Verwaltung sein, genau zu schauen mit wem sie zusammenarbeiten und ob der Anbieter die Verwaltung perspektivisch in die Lage versetzen kann, mit den Mitarbeitern das Thema selbst in Angriff zu nehmen.

2019-03-18T08:57:56+00:00 04.03.2019|